Freitag, 7. März 2014

Rohkost Tag 28 - 30 - Abschluss und Fazit

Rohkostexperiment ist abgeschlossen.
Die letzten Tage hat meine Motivation etwas nachgelassen. Ich wurde zumindest, was die Getränke angeht, etwas flexibler. Habe mir gestern einen Becher Kaffee gegönnt und die letzten Tage auch mal richtig heißen Tee getrunken. Das brauchte ich ein bisschen für mein emotionales Wohlbefinden.
Herausragende Rezepte hab ich nicht zu veröffentlichen, da ich sehr einfach die letzten Tage gegessen habe. Ein paar schöne Bilder sind dennoch entstanden
Feldsalat mit Champignons, Birne und Walnüssen+ Zucchini

Postelein mit Apfel, Rote Bete und Kresse

Kokos-Banane-Pflaumen-Shake

Mein Fazit ist angesagt, wobei ich mich hier schwerer tue, als bei der Vegan-For-Fit-Challenge. Dennoch versuche ich das ähnlich zu unterteilen in Ausgangssituation, Zwischenstand mitten in der Rohkost, momentaner Ist-Zustand, Pro und Contra

Ausgangssituation (Wie war Müsli´s Verfassung zu Beginn der Rohkost?)
- hoch motiviert, körperlich fit (dank Challenge jeden Tag Sport). Ausnahme: leichte Verdauungsschwierigkeiten
- wenig Vorinformationen zum Thema Rohkost
- kein begeisterter Rohkostesser, begeisterter Kochkostesser
- Gewicht 64 Kilo

Zwischenstand (Wie ging es Müsli während der Halbzeit?)
- sehr gute körperliche Verfassung, keine Beschwerden
- begeisterter Rohkostesser, auch wenn ich warme Mahlzeiten vermisst habe. Experimentierfreude auf dem Höchststand
- radikale Gewichtszunahme. Nach zwei Wochen 67 Kilo :(

Momentaner Ist-Zustand (Wie geht es Müsli jetzt?)
- Motivation ist weg, körperlich geht es mir jedoch super.
- Sport reduziert von täglich zu zweimal die Woche. Vom Walken aufs Joggen umgestiegen (ist mir sonst zu langsam und ich brauche mehr Belastung, um mich auszupowern)
- nach Abwandlung der Ernährung (weniger hochgreifende Experimente, mehr Obstteller und Salate) Gewichtsreduktion. Momentaner Stand: 65 Kilo

Pro (Was ist an der Rohkost gut?)
- es fühlt sich super an, so naturbelassen zu essen
- man wird unheimlich kreativ, was die Zubereitung angeht
- man fühlt sich trotz riesen Essensmengen "leicht"
- "Dörren", "Mixen", "Keimen", "Einweichen" machen zumindest mir unheimlichen Spaß
- die Geschmacksnerven verändern sich. Mittlerweile benötige ich kaum noch Salz am Essen (und ich hab vorher viel Salz gegessen). Rohes Obst und Gemüse ist richtig lecker geworden
- zeitliche Flexibilität. Je nach dem, wie man seine Ernährung plant, wird man sehr flexibel. Mittags unterwegs? Kein Problem, im Supermarkt ein paar Bananen holen und schmecken lassen. Für aufwändigere Gerichte (Rohkostpizza etc) muss allerdings mehr Zeit eingeplant werden.

Contra (Was hat mich gestört?)
- ich mag warmes Essen und auch warme Getränke....
- keine klaren Vorgaben/ Richtlinien möglich, da es zu viele unterschiedliche Informationen gibt. Reine Rohkost bedarf vieler guter Vorinformation, die schwierig zu finden sind in diesem Informationschaos.
- wenn es draußen kalt ist, ist permanentes kaltes Essen nicht schön (im Sommer kann ich mir sehr gut rohköstliche Ernährung vorstellen).
- im Winter ist regionale Ernährung schwierig/unmöglich
- teuer....in einer Welt, wo Fertiggerichte (von Fleisch fang ich gar nicht erst an) günstiger sind, als ein Beutel Äpfel, tut die eigene Gesundheit dem Geldbeutel ganz schön weh
- Gesellschaftlicher Druck: mit Freunden essen, Geburtstagsfeiern, Alkoholverzicht.....das ist auf Dauer nicht meine Welt

Hierzu muss ich etwas ausführlicher schreiben, da ich das Thema "Rohkost" für mich nicht so einfach handhaben kann.
Ehe ich mich mit diesem Thema beschäftigte, waren Rohköstler für mich Spinner. Die Vorstellung, sich nur von rohem Obst und Gemüse zu ernähren, fand ich krankhaft, gehörte ich doch eher zu denen, die am liebsten zweimal am Tag kochen. Allerdings stellte ich schnell fest, dass es in der Rohkost wesentlich mehr Möglichkeiten gibt, als Obstsalat und Co. Ich bin mittlerweile ein Fan von meinem Dörrgerät und habe zahlreiche neue Inspirationen erhalten. Am meisten beeindruckt bin ich über die Veränderungen an mir. Ich sehe super aus (ich bin selbstverständlich ne Naturschönheit, aber momentan sehe ich noch besser aus. Reine Haut, glänzendes Haar etc. ;)  ), fühle mich fit und agil. Ich esse mittlerweile leidenschaftlich gerne Obst in sämtlichen Ausführungen. Selbst Salate haben es mir angetan; ertränkte ich vorher Grünzeugs in einem gut gewürzten Dressing, reicht mir doch mittlerweile für eine große Schüssel Salat etwas Öl und Zitronensaft.  Ich liebe es, solch komischen Dinge, wie grüne Smoothies zu konsumieren oder zu Frühstück mit Messer und Hammer Kokosnüsse zu knacken ("Die höchste Form des Glücks ist ein Leben mit einem gewissen Maß an Verrücktheit"). Ich kann es nicht anders beschreiben - Rohkost hat mich voll und ganz überzeugt.
Warum ist es jedoch für mich von vornherein klar, dass rohköstliche Ernährung kein Dauerzustand für mich wird?
Im Alltag achte ich auf sehr viel. Ich lebe nach dem Grundsatz, möglichst wenig Schaden an Tier und Umwelt anzurichten. Ich lebe vegan (was über die Ernährung hinausgeht), vermeide Plastikmüll, Palmöl, unnötige Fahrtstrecken mit dem Auto.......die Liste ist endlos. Wenn ich zu meiner anfänglichen Unterscheidung von Gesundheitsveganern und Ethikveganern zurück komme, zähle ich mich eindeutig zu den Menschen, die aus ethischen Aspekten handeln. Gesundheit ist nicht unwichtig, nimmt jedoch einen deutlich geringeren Stellenwert für mich ein. Mein Rauchstopp verdanke ich beispielsweise nicht der Erkenntnis, dass es mir schadet, sondern vielmehr dem Bewusstwerden der zahlreichen ökologischen Nachteile (klingt vielleicht doof, aber wer wirklich schon mal sich dem Entzug von einer Sucht ausgesetzt hat, versteht vielleicht, warum man für sich überzeugende Argumente finden muss, um das durchzuhalten). Wenn es rein um meine Gesundheit geht, habe ich kein sonderlich ausgeprägtes Durchhaltevermögen.
Ernährungsumstellungen sind immer schwer, es gilt aus vertrauten Denk- und Handlungsmustern auszubrechen. Als ich vor etlichen Jahren aufhörte Fleisch zu essen, gelang mir das nur, weil mir das Wohl der Tiere bedeutender war, als das gemeinsame Essen und friedliche Beisammensein mit meiner Familie. Die Umstellung auf vegane Kost gelang mir auch nur, weil mir die Vermeidung von Leid, Ausbeutung und der Widerstand gegen Unterdrückung und Umweltverschmutzung wichtiger war, als soziale Angepasstheit. Wäre ich Veganerin geworden, um gesund, schlank und schön zu werden? Weil es gerade in Mode ist? NEIN!!! Ich hätte das unter dieser Motivation dauerhaft nie ausgehalten, meine gewohnten Bahnen zu verlassen.
Letztlich geht es in der Rohkost um Gesundheit. Der ethische Aspekt, den die rohköstliche Ernährung mit sich bringt, ist nicht mehr oder weniger durch die "normal-vegane" Ernährung abgedeckt. Es geht mir sehr gut durch die Rohkost, aber ich vermisse das Kochen. Ich vermisse auch das Trinken von Alkohol auf Feiern. Ich vermisse Restaurantbesuche, das gemeinsame Kochen mit Freunden etc. Ich vermisse die überzeugende Verbreitung von veganer Ernährung in meinem direkten Umfeld - klingt zwar blöd, aber ich konnte keinen meiner fleischessenden Freunde mit nem schönen Obstteller von der veganen Lebensweise überzeugen, es wirkte eher abschreckend.
Zum Schluss möchte ich noch Anmerken, dass rohköstliche Ernährung vieler Informationen bedarf. Ich habe es immer wieder betont, ich bin kein Freund von der Theorie. Rohköstler müssen jedoch unheimlich gut über Nährstoffzusammensetzungen informiert sein. Ich habe gelesen und gelesen und mir das Wenigste gemerkt, da ich lieber aus dem Bauch heraus handle.Vermutlich würde ich auf Dauer mit Mangelerscheinungen zu tun haben, da mir für Nähstoffkunde absolut die Muse fehlt. Auch hier investiere ich meine Zeit lieber in die Auseinandersetzung mit ethischen Themen, Demonstrationen, Tier- und Umweltschutz, Aufklärungsarbeit etc. und ich freue mich ungemein, dass ich dafür jetzt auch wieder mehr Zeit haben werde.

Zwei Monate lang habe ich mich jetzt nahezu ausschließlich meiner Gesundheit gewidmet, viel gelernt, viel verändert. Ich bin nicht zur Bodybuilderin geworden und habe mir doch tatsächlich ne Zerrung bei meinem Klimmzügetest zugezogen :( Aber ich bin sportlich aktiv geworden, habe auch mit dem Rauchen aufgehört und viel für mich getan. Mir geht es sehr gut und ich bin froh, diese beiden Experimente durchgezogen zu haben.
Ich weiß zumindest, dass ich aus beiden Experimenten Dinge für mich mitnehmen werde - regelmäßigen Sport und mehr Rohkost im Alltag, in der Hoffnung, dass meine positive Verfassung anhält :)
Wie bereits angekündigt, pausiere ich jetzt erstmal eine gewisse Zeit mit Experimentieren und widme mich meinem Geburtstag, Omas Geburtstag, unserer in Gründung befindlichen Bürgerinitiative, meiner neuen Arbeit (oh, hab ich erwähnt, dass ich nen neuen Job anfange)....viel zu tun, aber ganz stressfrei geht bei mir auch nicht ;)


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