Dienstag, 5. November 2013

Mahnwache gegen eine Hubertusmesse

Am Sonntag Abend nahm ich an einer Mahnwache gegen die Hubertusmesse in Oldenburg statt. Eigentlich hatte ich vor, diesen Bericht darüber unterhaltsam und mit allerhand Informationen gefüllt, zu verfassen. Allerdings habe ich mir keine Freunde mit dieser Demonstration gemacht - eher im Gegenteil. Gestern erhielt ich mehrere "Unmutbekundungen", besonders aus Teilen meiner Familie. Wer schon länger diesen Blog verfolgt, weiß bereits, dass ich immer wieder in moralische Konflikte gerate, da ein großer Teil meiner Familie aus Landwirten besteht, viele davon der Jagd frönen - sprich all das tun, was ich massiv ablehne. In der Vergangenheit habe ich zu vielen Unterhaltungen innerhalb meiner Familie geschwiegen, einfach weil ich niemanden verletzen wollte. Damit werde ich ab sofort aufhören!!! Schweigen hat diese Situation hervorgerufen, da es anscheinend zu allerhand Missverständnissen geführt hat. Daher werde ich hier meine Einstellung zur Jagd/ zu Jägern, sowie des Hubertusgottesdienstes schildern, nebst ein paar Hintergrundinformationen.
Dazu muss ich vorweg festhalten, dass ich mich für  Tierrechte einsetze, folglich erwarte ich nicht, dass irgendein Jäger meine Einstellung versteht.

Also:
Der Jäger sieht sich selbst als Pfleger der Natur; er kümmert sich um das Wild, überwacht Populationen, beobachtet kranke oder verletzte Tiere und handelt je nach Situation. Er beobachtet die Geschehnisse im Wald und achtet auf Veränderungen im Bereich der Flora und Fauna (Hege). Eine der wichtigsten Aufgaben der heutigen Jäger ist die Erhaltung eines gesunden und sozial richtig strukturierten Bestandes an Schalenwild (hierzu zählen alle dem Jagdrecht unterliegenden Paarhufer u.a. Hirsche, Wildschweine etc.). Eine zu große Population führt insbesondere in den Wintermonaten zu erheblichen Schäden im natürlichen Raum (insbesondere Schädigung von Baumbeständen) und kann das Ausbrechen von Seuchen begünstigen.
So weit, so gut, klingt echt super. ABER...
2. Der Jäger schafft sich seine eigene Existenzberechtigung - durch Wildfütterungen und Hege-Maßnahmen greift er massiv in das bestehende Ökosystem ein, züchtet sich künstlich Wildbestände hoch, vernichtet natürliche Feinde und schafft damit seine Rechtfertigungen, die eine Jagd notwendig machen. Er verschießt Blei, welches durch den Boden ins Grundwasser gelangt oder im schlimmsten Fall im Tier verbleibt und damit Bestandteil unserer Nahrung wird (nee, meiner Nahrung nicht). Zahlreiche Haustiere werden unter dem Vorwandes des "Schutzes von Wild vor wildernden Hunden und Katzen" erschossen; der Clou hierbei ist, dass solche Tiere als wildernd gelten, sobald sie mehr als 150m von bewohnten Gebiet entfernt sind(ich weiß nicht, was eure Tiere machen, aber mein Hund ist schnell mal 150m von der Wohnung entfernt). Nach wie vor erlaubt und intensiv betrieben wird zudem die Fallenjagd, in die nicht nur die beabsichtigten Tierarten geraten.
3. Die Jagd wird immer mehr als Hobby verstanden: Zahlreiche gut situierte Menschen aus der Stadt "genießen" am Wochenende die Natur, fahren aufs Land hinaus und gehen auf die Jagd - das hat nichts mehr mir Hege zu tun, hier geht es einzig und allein ums Töten. Man sollte auch nicht ignorieren (und das macht vielleicht die Thematik für manche Menschen erfassbarer), dass es nicht wenige Jäger gibt, deren Urlaubsvergnügen Jagdsafaris sind - schon mal nen Löwen geschossen? Oder nen Elefanten?
4. Viele Menschen bevorzugen Wildfleisch, da Tiere im Wald mit Sicherheit besser gelebt haben, als in Mastanlagen. Diese, welche ihr Wild nicht gerade selber schießen, sondern käuflich erwerben, sind sich oftmals nicht bewusst, dass Wildfleisch mittlerweile vermehrt aus Züchtungen und Gehegeanlagen stammt; ja, es gibt auch schönes Wildfleisch aus Neuseeland mittlerweile in Deutschland zu kaufen. Worin unterscheidet sich diese Art der Haltung noch von der Mast?
5. Mir widerstrebt die Vorstellung, dass Menschen gerne töten - beim Konsum von Fleisch sieht man sich ja nicht direkt als Mörder. Wer denkt bei Chicken Nuggets denn wirklich an das Huhn, welches da reingeschreddert wurde? Da die meisten Menschen Fleisch essen wollen , müssen Tiere auch zwangsläufig von irgendwem getötet und geschlachtet werden. Ich kann mir jedoch nicht denken, dass diese Menschen ihre Arbeit gerne tun - zumindest ist mir kein Mensch bekannt, dessen Traumberuf Schlachter ist.
Bei Jägern sieht dies anders aus, nehmen sie doch allerhand in Kauf für ihre Passion (Erwerben eines Jagdscheines, Pachtzahlungen etc). Klar, ich kenne auch Jäger, die von sich behaupten, dass das Töten der Tiere das Unangenehmste an der Jagd ist. Da frage ich mich aber, wieso ich dann Jäger werde, wenn ich keine Tiere aktiv töten will? Kann ich nicht in den Wald gehen oder mich in Naturschutzgruppen engagieren? Muss ich nen Jagdschein haben um einen Teil für unsere Umwelt zu leisten? Tut mir leid, die einzige Erklärung ist für mich, dass das aktive Töten von Tieren einem Jäger nicht so viel ausmacht. Trophäensammlungen an der Wand "aber ich hab sie nicht gerne getötet"....das ist krank!!!
6. Ich verstehe Fleischkonsum als Leichenfledderei, den Konsum tierischer Lebensmittel als Ausbeutung und Misshandlung von Lebewesen, die zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft als Missachtung vor dem Leben. Vielleicht mag es hart klingen, aber die Jagd mit all seinen negativen Konsequenzen, ist einfach nur der Wahnsinn und damit trifft der Spruch "Jagd ist nur eine feige Umschreibung für besonders feigen Mord am chancenlosen Mitgeschöpf. Die Jagd ist eine Nebenform menschlicher Geisteskrankheit."
 Weiter Infos dazu gibt es unter folgenden Links
Zitate zum Jagen
Jagdlüge
Anti-Jagd-Allianz
Anti-Jagd-Blog








So und jetzt noch kurz zu unserer Mahnwache. Vergangenen Sonntag versammelten sich ca. 25 Personen vor einer evangelischen Kirche in Oldenburg um eine Mahnwache gegen die Hubertusmesse abzuhalten. Wer sie nicht kennt, Hubertusmessen werden zum Segen der Jäger abgehalten, was in sich schon widersinnig ist; der heilige Hubertus, selbst passionierter Jäger und Lebemann, schwor der Jagd ab, nachdem ihm der liebe Gott in Gestalt seiner eigentlichen Beute (Hirsch), mit den Worten "warum verfolgst du mich" entgegentrat. Hubertus wurde daraufhin Mönch und tat viele gute Dinge um seine Schuld zu begleichen. Dennoch wurde Hubertus zum Schutzpatron der Jäger gemacht - der Arme :(
Okay, weiter im Text. Wir waren ausgerüstet mit Transparenten und zahlreichen Grabkerzen um unsere Trauer und Anteilnahme bezüglich all der Opfer von Jägern kund zu tun. Trotz Eiseskälte standen wir vor, während und nach des Gottesdienstes auf dem Bürgersteig vor der Kirche (das Kirchgelände durften wir nicht betreten). Erschreckend waren die Menschenmassen, die in die Kirche strömten - auch sehr alte Menschen und Kinder waren dabei. Man hatte fast das Gefühl, als ob Weihnachten wäre (bekanntlich der einzige Tag, wo mehrere Menschen in die Kirche gehen). Im Anschluß fand ein Umtrunk vor der Kirche statt mit Blashornmusik.
Wir standen ruhig davor, keine Pöbeleien oder Unruhen - das machte den Leuten sichtlich Unbehagen und beim Verlassen des Kirchgeländes machten de meisten Menschen einen großen Bogen um uns. Zwei anwesende Jäger kamen zu uns und diskutierten, wobei die Quintessenz eindeutig war: Jäger können Tierrechtler nicht davon überzeugen, dass sie ein gutes Werk tun. Vorhaben gescheitert.
Beeindruckend fand ich einen einzelnen Mann (auch Jäger), der zu uns trat und folgendes sagte "Ich möchte ihnen meine Anerkennung dafür aussprechen, dass sie sich hier hinstellen und ihre Meinung vertreten. Ich teile ihre Meinung zwar nicht, aber ich finde es gut, wenn Menschen mit etwas nicht einverstanden sind, dass sie sich auf die Straße begeben und dafür einstehen. Macht weiter so" - keine Diskussion, keine Vorwürde, sondern Respekt - würde es mehr solcher Menschen geben, wäre unsere Welt bestimmt um einiges besser.
Nach 2 1/2 Stunden war die Aktion beendet.







Was hat das Ganze gebracht? Jäger sind unheimlich stolz darauf, was sie tun und sehr von der Richtigkeit ihrer Handlungen überzeugt. Wir haben gezeigt, dass nicht Jeder mit diesen Machenschaften einverstanden ist, dass solche Traditionen mittlerweile durchschaut und hinterfragt werden. Wir haben es gewagt, bei einer althergebrachten Tradition wie der Hubertusmesse, zu stören und dagegen zu demonstrieren. Wir waren nicht laut, aber gehört wurden wir trotzdem. Danke an Alle, die dabei waren und besonders an die Organisatorin

Wer jetzt immer noch nicht verstanden hat, warum ich gegen die Jagd bin, kann gerne hier kommentieren, ne Mail zuschicken oder mich anrufen (soweit er/sie meine Nummer hat)

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