Freitag, 18. Oktober 2013

Müsli in der großen Stadt - Teil 2 Köln

Nochmal Sonntag
Wieder Zugfahren, 16:30 Abfahrt aus Frankfurt/Main. Umstieg in Mainz, 20:05 Ankunft in Köln. Im Bahnhofsgebäude spürte ich Müdigkeit, Erschöpfung und wollte nur ein Bett. Dies verflog sehr schnell beim Heraustreten aus dem Bahnhofsgebäude - mein Blick fiel auf den Kölner Dom
Natürlich hab ich den Dom schon mal gesehen - im Fernseher. Aber dieses wahnsinnige Gebäude in voller Größe vor einem zu sehen ist tausendmal imposanter. Ich weiß gar nicht, wie ich diesen Anblick beschreiben soll - ich war schlagartig hellwach, beeindruckt, fasziniert, fast schon verliebt und gelang ziemlich schnell zu der Erkenntnis "Das werden aufregende Tage".
Wir sind zu der Wohnung meiner Freundin gefahren und dort natürlich nicht direkt in´s Bett, trotz Müdigkeit. Wir vermischten eine typische Frauenangewohnheit mit einer wohl eher typischen Männerangewohnheit, sprich, bis 4 Uhr quatschten wir ausgiebig und tranken noch ausgiebiger Weizen.
Damit stand erneut eine sehr kurze Nacht an

Montag
Frauen können so viel Reden, ich schließe mich da nicht aus. Trotz der kurzen Nacht gingen die teilweise sehr tiefgründigen Gespräche am nächsten Tag gleich weiter und brachen die übrigen Tage auch einfach nicht ab. Ein Wunder, dass ich nicht heiser bin ;)
Dennoch musste ich mir am Montag erstmal Köln ansehen - diese Stadt ist einfach nur schön. Köln gilt allgemein als sehr weltoffene und tolerante Stadt und ich kann diesen Eindruck nur bestätigen. So viele verschiedene Menschen laufen durch die Straßen, so viele unterschiedliche Eindrücke vermitteln die Gebäude. Natürlich existiert das in der Art auch in anderen Großstädten, aber was ich in Hamburg oder Berlin eher immer als Stress, Lautstärke und Hektik wahrgenommen habe, habe ich in Köln als reine Lebenslust empfunden. Bevor ich jetzt versuche, Worte für meine Empfindungen gegenüber der Atmosphäre in Köln zu finden, die dieser Stadt einfach nicht gerecht werden, halte ich kurz fest: Ich bin verliebt. Das ist meine Stadt und ich denke ein bisschen darüber nach, vielleicht doch mal das Großstadtleben auszutesten. Vielleicht habe ich ja auch über das Stadtleben bisher zu schnell geurteilt, vielleicht bin ich kein Dorfkind, vielleicht bin ich in ferner Zukunft Kölnerin....
So Müsli, schwaffel nicht so viel, weiter im Text.
Nach einer ausgiebigen Besichtigung des Kölner Doms (*schärm*), und langläufiger Stadtbeschauung, habe ich mein erstes Kölsch getrunken - kann man machen, muss man nicht.
Als bekennende Weizenliebhaberin bin ich dann doch wieder umgestiegen. Essenstechnisch war meine Freundin super vorbereitet. Sie hatte sich bei vegetarisch lebenden Freundinnen vorher über Lokalitäten informiert, wo wir einkehren konnten. Folglich konnte ich mir vorherige Internetbefragungen sparen. An diesem Tag kehrten wir im "4 Jahreszeiten" ein, eigentlich einem recht noblen Bioladen, jedoch auch mit innen liegendem Bistro mit diversen warmen und kalten Speiseangebot. Die Auswahl für Veganer war sehr gut, die Preise waren enorm...aber man gönnt sich ja sonst nix und geschmacklich hat sich die hohe Rechnung absolut ausgezahlt. Definitiv ein empfehlenswerter Laden.

Und schlußendlich, nachdem wir den ganzen Tag auf den Beinen waren, versackten wir in einer Kneipe und quatschten bis tief in die Nacht weiter - so sind Frauen halt ;)

Dienstag
Ruhiger Tag war angesagt; relativ lange schlafen, frühstücken (gegen 12 Uhr), Kaffee trinken gehen, Kochplan für abends erstellen und dafür einkaufen gehen und natürlich wieder quatschen, quatschen, quatschen.
Abends wurde ausführlich gekocht - Tapasabend, damit sowohl ich mit der veganen Kost als auch meine Freundin und ihre beiden Kinder als Allesesser auf ihre Kosten kommen. Große Auswahl mit selbstgemachten Dips, gekaufter und selbstgemachter Antipasti, bissl Fleisch und Käse etc.
Auch dieser Abend endete spät und wurde feucht-fröhlich

Mittwoch
Für meinen letzten Tag brauchte ich noch etwas Kölnfeeling, also wieder in die Stadt, bisschen bummeln, Gebäude und Menschen beobachten und noch mehr verlieben. Ach, Köln ist einfach traumhaft.
Essen waren wir im "Hans im Glück" - einem Bürgerladen mit riesiger Auswahl an verschiedenen Burgergerichten und tatsächlich einem veganen Burger. Als absoluter Burgerfan war dieses Lokal ein super Abschluß für mich - preislich okay, nettes Ambiente und absolut lecker
Abends trafen wir uns mit Kollegen meiner Freundin in ner Kneipe und wieder wurde ausgiebig Weizen getrunken - ich geh jetzt erstmal ein paar Wochen auf Alkoholentzug ;) An diesem Abend habe ich sehr viele Menschen kennen gelernt und super tolle Gespräche führen dürfen. Ich erfuhr, dass man mit Kölnern sehr schnell sehr gut guten Kontakt haben kann, diese jedoch auch stark an der Oberfläche bleiben - sprich, du lernst jemanden kennen, kannst mit ihm über Gott und die Welt, Leben und Leiden, Gedanken und Gefühle sprechen und am nächsten Tag kennt ihr euch nicht mehr. Mag vielleicht für viele Menschen abschreckend klingen, ich empfinde das jedoch als unheimlich sympathisch. Ich rede gerne und ausgiebig und wenn die Sympathien stimmen, kann ich mich auch mit fremden Menschen sehr persönlich unterhalten - aber ich brauch daraus nicht immer eine intensive Freundschaft entstehen lassen. Ich gehöre auch nicht zu den Menschen, die in ihrem Leben eine Clique benötigen - ich gehörte nie zu einer und hab ein paar wenige unheimlich gute Freunde in ganz Deutschland verteilt, die ich selten sehe, aber die mich dennoch irgendwie in meinem Leben begleiten. Also definitiv ein weiterer Aspekt, weswegen ich Kölnerin werden sollte :)
Das bedeutendste diesen Abend war jedoch für mich, dass ich mich ein bisschen verknallt hab (in einen Menschen ;)  ) - nix ernstes und extrem aussichtslos, aber es ist passiert. Mein Gefühlsleben funktioniert noch, ich weiß jetzt endlich nach Wochen/Monaten, dass ich mich wieder verlieben kann und auch werde. Alles wird gut :)

Donnerstag
Verkatert und übermüdet die Heimreise angetreten, Tränen am Bahnhof vergossen. Köln, du wirst mir fehlen, aber ich komme zurück. Da ich gehört hab, dass es einen schwul-lesbischen Weihnachtsmarkt gibt, werde ich, soweit es mein Dienstplan zulässt, spätestens im Dezember zurück kommen.
Sehr theatralisch (so bin ich) musste ich mir dann auf der Rückreise ständig das Lied "Niemals geht man so ganz" von Trude Herr anhören. Köln, ich liebe dich
Mein Andenken


Kleine Abschlußanmerkung: In meiner Umnächtigung hatte ich natürlich vergessen, mir was zu Essen für die Fahrt mitzunehmen. Aber in Bremen beim Umstieg hatte ich Glück: Im Bremer Bahnhof gibt es ein Reformhaus mit vegan gekennzeichneten Backwaren, also haben mich ne Kürbiskernbrezel und ne Kirsch-Marzipan-Schnitte vor dem Verhungern retten können - das Angebot wird halt immer größer.
















Tja und jetzt ist mein Urlaub zu Ende. Bald geht Arbeit wieder los, unsere Schlachthofdemo steht morgen an und der Ernst des Lebens geht weiter. Ein paar wenige Tage mit tollen Menschen, super Gesprächen und vielen vielen neuen Eindrücken haben mir aber defintiv gut getan. Ich brauch keine Urlaube am Strand oder in den Bergen, ich brauche Menschen, die mich bewegen. Danke an Alle, die mir diesen Urlaub so wunderschön gemacht haben.
So, und jetzt ist genug mit Schwärmereien, jetzt wird Demo vorbereitet ;)

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