Montag, 30. September 2013

Lifestyle-Veganismus

Ich lese in letzter Zeit immer häufiger den Begriff "Lifestyle Veganismus", sprich, Veganismus als Modeerscheinung. Da frage ich mich doch, wieso, weshalb, warum ein offensichtlich ernstes Thema zur Modeerscheinung geraten kann.
(mein Nebenberuf ist Amateurphilosoph)
Wie sah die Masse der Bevölkerung Veganismus vor ein paar Jahren? Veganer waren Hippies, Tierschützer, am besten noch blass und kränklich. Veganer hat niemand für voll genommen, es waren Spinner, Extremisten und wollten "normale" Menschen in ihrer Ruhe stören.
- kein schönes Bild. 1. entspricht es nicht der Realität und 2. spiegelt es die negative Haltung der Menschen bzgl. alternativer Lebenseinstellungen dar.

Wie sieht die Masse der Bevölkerung Veganismus heute? Viel hat sich nicht geändert, zumindest nicht bei der Landbevölkerung (ich weiß das, ich lebe dort) - kein Wunder, lebt doch ein Großteil der Menschen dort von der Landwirtschaft. Anders sieht es in den Städten aus, dort ist Vegan eine Trendbewegung. Aus dem Nichts schießen vegane Restaurants, vegane Supermärkte, vegane Klamottenläden aus dem Boden. Vegane Kochbücher erobern die Buchhandlungen und vegane Köche das Fernsehen. Vegan ist hip, Vegan ist trendy, Vegan ist sexy. "Lebe vegan und du wirst fit, gesund und schön" ist das neue Motto einer Bewegung, die irgendwann mal aus dem Tierrechtsgedanken heraus entstanden ist. Die Zahl der vegan lebenden Menschen wächst rasant, auch wenn viele Personen dies als nur vorübergehende Diät nutzen.

Der Unterschied ist deutlich: Veganismus ist in einen anderen Blickwinkel gerückt.
Die meisten Menschen sind nicht in der Lage, aufmerksam für andere Lebewesen außerhalb ihrer eigenen Spezies zu werden (Speziesismus), ist aber in der Lage Recht von Unrecht zu unterscheiden. Das macht den ethisch überzeugten Veganer so unbequem, er zwingt einen dazu, aufmerksam zu werden. Und plötzlich sieht man das ganze Unrecht und fühlt sich schuldig, weil man daran nichts ändert. An dieser Stelle sorgt die Natur des Menschen dafür, dass er Wut entwickelt und zwar nicht auf die Ungerechtigkeit, sondern auf den Veganer, der ihm das Unrecht vor Augen führt. Lange Rede, kurzer Sinn - Veganismus wird abgelehnt, solange der Hintergrund der Einsatz für andere Lebewesen ist.
Das erklärt die Trendbewegung Veganismus; wenn es um die Themen Gesundheit, Mode, Kosmetik geht, betrifft dies in erster Linie jeden einzelnen Menschen für sich. Ich will schön, stark und gesund sein und wenn mich Veganismus da hin führt, ist das spitze. Noch ein bisschen "Blabla" bzgl der Tiere und alle halten mich für total toll. Hip sein mit gutem Gewissen, wer will das nicht?

Im Gegensatz zu manch anderen, lebe ich erst recht kurz vegan. Bin quasi mitten in die Trendbewegung geplatzt, ohne dieser wirklich zu folgen. Ja, ich habe ein Faible für Kochbücher und hab auch beide Bänder von Atilla im Schrank. Weniger aus Lifestylegründen, mehr aus "Ich liebe gutes Essen". Ansonsten würde ich mich als ethisch motivierter Veganer bezeichnen (bevor ich jetzt wieder in´s schwafeln gerate über meine Beweggründe, lest doch bitte die Seite "Warum Vegan" in diesem Blog). Ich konsumiere gerne, aber bitte bewusst. Ich freue mich über jedes vegane Produkt, was ich finde - aber ich lehne es trotzdem ab, wenn die produzierende Firma ihr Haupteinkommen über Fleisch- und Fisch bezieht (Beispiel Firma Iglo), wenn die Hersteller ihre Produkte in Sklavenarbeit herstellen lassen (Beispiel H&M), wenn diese Produkte an Tieren getestet werden oder die Firmen Tierversuche durchführen lassen (Beispiel Kosmetik, Putzmittel) oder wenn die Firmen eine miserable, menschen- und naturverachtende Firmenpolitik an den Tag legen (Beispiel Firma Coca Cola, Nestle etc.). Für mich gehört das zu meiner veganen Lebensweise dazu. Ebenso wie der Aktivismus, sprich dem unterschreiben von Petitionen, Teilnahme an Demonstrationen, Öffentlichkeitsarbeit etc.

Bevor ich hier jedoch missverstanden werde, muss ich dazu angeben, dass es mir total egal ist, warum jemand vegan lebt. Ich kann zwar die Prioritätensetzung von "Trendveganer" nicht unbedingt verstehen, aber das muss ich auch garnicht. Es müssen nicht alle Veganer auch zeitgleich Tierrechtler und Aktivisten sein. Hauptsache sie leben vegan, für die Tiere, die Umwelt und die Menschen der dritten Welt führt dies zum gleichen Ergebnis, einer schrittweisen Besserung. Und wenn Vegan gerade eine Modeerscheinung ist, umso besser - je mehr Menschen dieses Thema erreicht, desto mehr wird sich verändern.

Vielleicht bin ich auch etwas zu tolerant....ich weiß es nicht. Was denkt ihr darüber?

Kommentare:

  1. Ich stimme dir da voll und ganz zu. Letztlich muss einen ein Trend aber irgendwie überzeugen, und wenn es nur die eigene Gesundheit ist. Ich denke, nur wenige machen den Trend ohne Überzeugung mit, irgendwas muss einem schon daran gefallen. Ich hoffe nur, dass die Beweggründe auch bleiben, wenn der Trend wieder normal wird.

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  2. Liebe Müsli,
    ich stimme dir auch zu. Mir ist es relativ egal, warum sich jemand für die vegane Lebensweise entscheidet. Ich kann diese ganze "ich bin veganer als du" Sch*** eh nicht mehr hören. Da braucht man sich gar nicht wundern, wenn Veganer in einem negativen Licht dastehen. Die "Extremen" krähen halt immer am lautesten ;)
    Jeder Schritt zählt, so sehe ich das.

    Liebe Grüße
    Federchen

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  3. Ich sehe die "Trendbewegung" auch sehr positiv. Auch wenn sie vielleicht nicht aus Tierrechtlichen Motiven geschieht, ist es immerhin ein Schritt in die richtige Richtung. Mehr Aufmerksamkeit, mehr vegane Produkte und letztendlich vielleicht ein andauerndes Umdenken.

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