Dienstag, 20. August 2013

Ein neues Zuhause für Müsli

Ich habe wieder ein Zuhause.
Vor ca. einem Monat habe ich schweren Herzens mein geliebtes Dorfleben verlassen, meinen Hund zu meinen Eltern gebracht und mich selber bei Freunden einquartiert. Das war eine sehr schwere Zeit für mich (meine persönliche Hölle), in der ich eine Menge neuer Erkenntnisse sammeln konnte.

1. Ein gebrochenes Herz tut unheimlich weh - Ich wurde verlassen, meine Frau beendet unsere junge Ehe. Die Gründe kann ich nicht verstehen oder will sie nicht wahrhaben. Es tut einfach nur weh. "Verlassen zu werden" ist eine neue Erfahrung für mich. Die Beziehungen, die ich bisher hatte, habe ich beendet, was wesentlich angenehmer ist. Jetzt versteh ich endlich diese ganzen Herz-Schmerz-ichliebedichdochso-Lieder und ich habe mir in den letzten Wochen verdammt viele davon angehört. Meine Favoriten sind "Another Love" von Tom Odell und ein Lied was mir absolut aus der Seele spricht "Ich komm an dir nicht weiter" von Rosenstolz
Ich habe viel geweint, noch mehr getrunken, mich verkrochen, ausgeschwiegen, an Selbstmord gedacht (nicht ernsthaft, keine Sorgen machen), mich in dunkle Räume gesetzt und vor mich hingestarrt. Ich weiß, ich jammere, aber ich hab das Schlimmste überstanden. Die ersten Wochen war einfach nur dieses Gefühl vorherrschend, alles verloren zu haben; meine Frau, unsere Tochter, mein Zuhause, meinen Garten...einfach alles. Es geht mir jetzt immer noch nicht gut, aber ich merke, dass das Leben weiter geht...irgendwie. Ich weiß nicht, worauf unsere Trennung hinausläuft...ich weiß nur, dass ich meine Frau immer noch liebe.

2. Vermieter sind nicht tierlieb - Ich habe eine Wohnung in Oldenburg gesucht, mein ursprünglicher Plan war 2 Zimmer, mit Einbauküche, Balkon oder kleiner Garten, mindestens 60qm. Nach den ersten Telefonaten und Besichtigungen kam die bittere Erkenntnis, dass es nahezu unmöglich ist, mit einem großen Hund eine Wohnung in Oldenburg zu finden. Ich habe mich für ca 15 Wohnungen angemeldet und immer wieder scheiterte dies mit den Worten "Verstehen sie das nicht falsch, aber ihr Hund ist ja auch wirklich groß" - Da ich ohne Zuhause dastand, quasi nur aus der Tasche lebte, war ich nicht in der glücklichen Situation mir für die Wohnungssuche Zeit zu lassen. Daher versuchte ich mich mit dem Gedanken auseinanderzusetzten, meinen süßen dicken Hund abzugeben (dies war mein emotionaler Tiefpunkt der letzten Wochen). Aber es kam alles anders und damit die dritte Erkenntnis.

3. "Wenn du glaubst es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her" - Bei meiner verzweifelten Wohnungssuche fand ich schließlich meine jetzige Wohnung und was soll ich sagen...sie ist perfekt. Zur Wohnung umfunktionierte Garage mit eigenem Gartenteil (komplett eingezäunt), Einbauküche, Kamin, Schlafzimmer auf einer Empore über dem Wohnzimmer und kleinem seperatem extra Räumchen. Und das Beste: die Vermieter lieben Hunde, sie waren ganz begeistert davon, dass ich einen Hund habe. Die Wohnung ist außerhalb von Oldenburg in einer größeren Ortschaft (tschüß Dorfleben *schnief*). Kein Vergleich zu meinem alten Zuhause, aber besser hätte ich es gerade nicht treffen können. Am Donnerstag begann der Umzug und Sonntag wurden die letzten Karton ausgepackt. Tausend Dank an dieser Stelle für meine vielen lieben Helfer (falls ihr das hier lest). Ich bin ganz verliebt in meine neue Wohnung, nur an das Alleinsein muss ich mich noch gewöhnen...in zwei Wochen hole ich meinen Hund endlich von meinen Eltern ab und dann fangen wir mit unserem neuen Zuhause an.

4. Veganer brauchen ne Küche - ich hatte in meiner heimatlosen Zeit zwei Reisetaschen + einen riesen Korb mit Lebensmitteln bei mir. In dem Korb waren Basics, ein paar Gewürze, Nüsse, Samen, Nudeln, Getreide, Müsli, Agavendicksaft... Obst und Gemüse hab ich natürlich frisch gekauft. Dennoch war meine Ernährung in dieser Zeit absolut unvorbildlich. Das lag zum einen natürlich an meiner Verfassung "Keine Lust zu garnichts, schon garnicht zum Kochen", zum anderen, dass viele Zutaten, die für mich selbstvertsändlich sind, für andere Haushalte nicht selbstverständlich sind, sprich auch nicht vorhanden sind. Beispiele hierfür sind Brühe (nicht jeder Haushalt hat Gemüsebrühe) und Öl zum Braten (Omnivoren nehmen anscheinend gerne Butter zum Braten). Gott, was hab ich meine Küche vermisst. Immer wieder Nudeln oder Getreide mit Gemüse schockt nicht wirklich. Und ich bin thermomixverwöhnt; die ganze Zeit kein selbstgebackenes Brot, keine Shakes, Zutaten wieder alle kleinschneiden...das ging alles, aber war doch erstmal ne Umstellung. Umso glücklicher bin ich, dass der Thermomix bei unserer Haushaltstrennung an mich gegangen ist und ich ihn jetzt wieder habe in meiner relativ neuen Luxuseinbauküche (ist übertrieben, aber meine neue Küche ist echt schön)

5. Glücklich der, der Freunde hat - ich hab ne Macke. Ich gehöre zu den Menschen, die große Schwierigkeiten haben, von anderen Personen Hilfe anzunehmen. Kann dafür keine Erklärung geben, ist einfach so. Ich helfe sehr gerne, wo ich kann, aber für meinen eigenen Bereich mach ich lieber alles alleine.
Ich habe mich jedoch die letzten Wochen geübt, ich habe viel, sehr viel Unterstützung von meinen Freunden angenommen, mich ausgeheult, einquartiert etc. Hierbei möchte ich ein paar Personen besonders erwähnen: H. kam an dem Tag, als mich meine Frau verließ noch spät abends zu mir, um mit mir zu reden, mich weinen zu lassen und blieb bis spät in die Nacht, obwohl es unter der Woche war. K. und seine Familie nahmen mich als erstes für 2 Wochen auf, als ich von zuhause auszog, quartierten mich in einem Zimmer ein, hörten mir zu, wenn ich reden wollte und ließen mich in Ruhe, wenn ich Ruhe brauchte. Andere K. und Mann nahmen mich danach auf für nochmal knapp 2 Wochen, hielten meine depressiven Phasen aus und hörten sich geduldig mein Gejammer an. Auch D.+M. hatten immer ein offenes Ohr für mich, sowie einen Platz in der Sonne und ausreichend Kaffee/Tee. C. + K. und S. +F. halfen mir beim Umzug, Möbel kaufen, aufbauen, Kartons schleppen und alles, was zum Umzug dazu gehört. Nicht zu vergessen, meine Eltern, die mich ebenfalls beim Umzug tatkräftig und finanziell unterstützt haben. Und zuletzt Danke für die vielen Mails und Kommentare. Es ist schon ein irres Gefühl, wie viele Leser des Blogs mir gute Worte haben zukommen lassen. Danke, dass ihr alle für mich da ward/seid, wüsste sonst nicht, wie ich diese Zeit überstanden hätte oder noch weiter überstehe.

6. Ablenkung ist wichtig - Mit Wohnungssuche und Umzug hab ich gut zu tun gehabt die letzten Wochen. Natürlich hatte ich sehr schlechte Phasen zwischenzeitig, aber es hielt sich alles in Grenzen. Die erste katastrophale Krise bahnte sich am Wochenende an. Samstag wäre der Tag unserer Hochzeitsfeier gewesen, sowie unser 6. Jahrestag. Ich steckte mitten in meiner neuen Chaoswohnung und musste für Ablenkung sorgen, da emotionale Krise vorprogrammiert war. Also bin ich mit Bekannten von unserer "Anti-Schlachtfabrik-Ahlhorn-Fraktion" nach Cloppenburg gefahren, zu der Wahlkampfveranstaltung der CDU. Mit Transparenten und und absoluter "Ich-bin-dagegen-Haltung" bewaffnet, kamen wir auf dem Platz an und begegneten erstmal Frau von der Leyen. Kurze Disskusion wegen Dumpinglöhnen in der Fleischbranche geführt, bei der sie nicht wirklich Antworten gab und weg war sie...na ja, so werd ich nicht zum CDU-Wähler. Aber dann kam´s: Es wurde ein Durchgang mit Bändern markiert, wo die Kanzlerin durchlaufen sollte. Natürlich sind wir in die erste Reihe mit unseren Transparenten und da kam sie auch schon, unsere ANGIE!!!! Und natürlich die Securitys (schreibt man das so?) direkt vor uns (wir waren ja auch die Antis). Links von mir stand ein kleines Mädchen, die der Kanzlerin artig die Hand gab und die Gelegenheit nutzte ich, streckte meine Hand zwischen den Securitys durch und ergriff die von Frau Merkel. "Guten Tag Frau Merkel, würden sie sich das mal ansehen?" Dabei hielt ich ihr mein Plakat "Artgerecht statt ungerecht" unter die Nase. "Da setzen sie sich für ein wichtiges Anliegen ein" kam als Antwort. "Da haben sie Recht, ich würde mir wünschen, dass sich ihre Politik ebenfalls dafür einsetzen würde" gab ich zurück. "Ja, da werde ich gleich noch was zu sagen" und weiter ging sie. Ich war in Hochstimmung, Kanzlerin getroffen, Hand geschüttelt und zwei Sätze wegen Tierrechten gewechselt. Natürlich ist sie auf das Thema nicht mehr eingegangen, im Gegenteil, sie hat ordentlich gegen die Grünen gewettert wegen des Veggie-Days. Aber ich war trotzdem stolz auf mich, das getan zu haben und meine Hochstimmung hielt den restlichen Tag an.
Sonntag packte ich dann meine letzten Kartons aus...und da mir leider an dem Tag die Ablenkung fehlte, betrank ich mich anschließend...musste auch mal sein, sollte nur nicht zur Gewohnheit werden.

7. Singledasein macht mir Angst - Ich bin seit 11 Jahren dauerhaft in Beziehungen gewesen, habe nie wirklich alleine gelebt und stehe ziemlich planlos vor der Frage "Wer wird es jemals mit einer veganen Lesbe aushalten wollen?" Momentan will ich keine Beziehung, dafür muss ich erstmal meine Kurzehe verarbeiten. Aber irgendwann bin ich (hoffentlich) wieder bereit dazu, mein Leben mit jemandem zu teilen. Mir werden bereits Horrorgeschichten von der Homoszene in Oldenburg berichtet, wo es anscheinend mehr um´s rumvö.... geht, als um die große Liebe. Dafür bin ich echt nicht der Typ...und dann hab ich ja auch noch meine "Weltverbesserungsansichten", die nicht jedermans Sache sind...ich will nicht alleine bleiben....
Also wenn jemand hier in nem Jahr oder so Interesse an einer etwas komplizierten, veganen, lesbischen Frau mit großem Hund hat, am besten in der Nähe von Oldenburg/Niedersachsen wohnt und an einer ernsten Beziehung interessiert ist, bitte melden ;)  (Witz!!!)
Wenn alles nicht hilft, werd ich halt meinen Traum von Familie, Kindern etc aufgeben und ein Karriereweib werden - super Plan :)

So, ich glaub, das ist jetzt erstmal der aktuelle Stand der Dinge - ich lebe noch, zwar größtenteil in einem ziemlich dunklen emotionalen Loch, aber ich hoffe auf Besserung. Meine Freunde holen mich immer wieder aus diesem Gefühl "Ich-bin-allein-kein-Mensch-liebt-mich" heraus, auch wenn das immer nur von kurzer Dauer ist. Das Bloggen versuche ich langsam wieder zu starten, wobei ich merke, dass meine Motivation da noch sehr schwankt - für diesen Eintrag hab ich immerhin jetzt drei Tage benötigt. Aber ich denke ihr habt da Verständnis für.
Bis denn dann
Müsli vom jetzt anderen Dorf


1 Kommentar:

  1. Liebe Müsli,

    schön wieder von dir zu hören - willkommen zurück :)
    Und danke für diesen ausführlichen Bericht. Es tut mir leid, wie es dir ergangen ist und was du durchgemacht hast. Ich wünsche dir viel Durchhaltevermögen für die kommenden Wochen. Es wird wieder bergauf gehen, da bin ich mir sicher!

    Liebe Grüße
    Federchen

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