Freitag, 19. April 2013

Meine Oma ist die Beste

Heute morgen kam mir ein erschreckender Gedanke...
Ich stecke in den Hochzeitsvorbereitungen, am 03.05 ist es soweit. Da heiraten wir im kleinen Kreise, nur Trauzeugen und unsere Tochter. Um es uns aber nicht mit unseren ganzen Freunden und der Familie zu verscherzen, findet im Sommer eine große Feier statt. Letzte Woche haben wir erstmal aufgezählt, gerechnet; seltsamerweise findet man nur bei solchen Events heraus, wieviele Leute man eigentlich kennt bzw. gern hat. Als wir die 200er Marke durchbrochen hatten, mussten wir uns eingestehen, dass das so nicht geht. Also haben wir die Anzahl der Gäster irgendwie auf 150 runter reduziert. Heute morgen habe ich zahlreiche SMS verschickt, da ich leider zu der Generation gehöre, die zwar von jedem die Handynummer, aber von niemandem die Adresse besitzt. Da kam eine Antwort, in der stand: "Wann heiratet ihr denn?" Meine Antwort "Heute genau in zwei Wochen" - Schock!!!! Ich heirate in zwei Wochen!!! Panik!!!! Ich tue das wirklich, ich heirate, gebe meinen Nachnamen ab, werde Ehepartner, übernehme rechtlich Verantwortung - HHHHHIIIIILLLLFFFFFEEEEE
Es ist ja nicht so, dass mir das nicht bewusst gewesen wäre, aber so richtig begriffen habe ich das erst heute morgen. Ich gehe einen bedeutenden Lebensschritt - (hoffentlich) für immer. Aus lauter Überdrehtheit habe ich den erstbesten Menschen angerufen, von dem ich weiß, dass er mich beruhigen kann: meine Oma.
Ich liebe meine Oma und sie ist eins meiner großen Vorbilder. Sie hat ein sehr anstrengendes und zermürbendes Leben geführt; jung geheiratet, Bauersfrau geworden, 1. Kind schwer behindert zur Welt gekommen (mein Onkel),zwei weitere Kinder,  tyrannischen Ehemann (ich liebte auch meinen Opa, aber er war zu seinen Mitmenschen (inkl. seiner Ehefrau) bei weitem nicht so warmherzig, wie zu seinen Enkeln), großer Hof, großer Garten und entwickelte in dieser Belastungszeit ein mittelschweres Alkoholproblem. Mit 45 beschloß sie eine Ausbildung zu machen, sehr zum Ärger meines Großvaters, der sie null unterstützte. Sie wurde Steuerberaterin, Abstinentzlerin, Großmutter, Pflegerin meines Großvaters bis er starb. Ich weiß nicht, wie sie das immer alles gemanagt hat, aber sie hat sich durchgebissen. Sie lebt mittlerweile bei ihrer besten Freundin, die schwer an Parkinson erkrankt ist und pflegt diese. Und sie ist glücklich, immer für einen da, immer mit einem Lächeln im Gesicht, immer bemüht, die Sorgen anderer zu verstehen, auch wenn sie die Probleme der heutigen Generation nicht immer nachvollziehen kann.
Meine Oma war eine der wenigen Menschen aus meiner Familie, die sich sofort gefreut hat, als sie von unserer Hochzeit erfuhr und ich weiß, dass das ein Geschenk ist. Letztlich stammt sie doch aus einer Generation, wo Homosexualität noch ein sehr schweres Thema ist.
Also auf jeden Fall hat sie erstmal gelacht, als ich ihr von meiner Panik erzählte (was nicht geholfen hat), dann erzählte sie, dass meine Aufregung wahrscheinlich noch schlimmer wird (was auch nicht geholfen hat) und dann erzählte sie mir von ihrer Hochzeit, wie aufgeregt sie gewesen wäre, dass sie nächtelang nicht geschlafen hat...und dass sie sich eher Gedanken machen würde, wenn ich nicht aufgeregt wäre. Das half etwas :)  Sie meinte, sie beobachte mit Schrecken, wie die "jungen Leute" nur noch planen, arbeiten, abhaken wenn es um eine Hochzeit geht und sich nicht mehr bewusst machen, was sie da eigentlich tun. Sie hätte damals sich jeden Tag die Zeit genommen, um ihr Kleid neu zu entfusseln, dabei einen Tee zu trinken und sich zu freuen, dass sie diesen Weg geht... - das fand ich total schön.
Ich habe das bisher nicht getan, mein Kleid ist gekauft (kein weißes, sowas wollte ich nicht), liegt seitdem im Schrank, Ringe habe ich gestern abgeholt und liegen auch im Schrank. Ich habe Listen geschrieben, was noch erledigt werden muss und sie nach und nach bearbeitet und dabei mir noch keine Gedanken darüber gemacht, dass das der schönste Tag meines Lebens wird. Ich gehöre definitiv nicht zu den Menschen, die locker und lässig eine Hochzeit begehen können, ich bin aufgeregt, habe auch etwas Angst, aber in erster Linie übermässige Freude, dass diese Frau ihr Leben mit mir teilen möchte.
Aber wo bleibt noch Platz für dieses Gefühl, wenn ich mich verbissen an meinen Plänen festhalte und diese nach und nach abarbeite. Damit ist jetzt Schluß, ich werde heute abend erstmal mal Kleid entfusseln :) und mich freuen

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